Workshop: Lokale KI
Einstiegsleitfaden für die Nutzung lokaler Sprachmodelle.
Artikel aktualisiert am 3. September 2026
Vier Säulen für Prompt Engineering in der Patentpraxis
Jede Aufgabe im Kurs setzt vier Methoden voraus, die die Qualität sichern. Bei agentischen Werkzeugen wie OpenCode oder Claude Code läuft Context Engineering automatisch; bei manuellem Prompting musst Du selbst darauf achten.
- Context Engineering: Für jede Aufgabe ein frischer Chat mit genau den relevanten Dokumenten.
- Belegpflicht: Jede Aussage mit wörtlichem Zitat aus der Quelle und Fundstelle.
- Absatz-für-Absatz-Durchsuchung: Systematisch durch die ganze Quelle.
- Self-Reflexion + Advocatus Diaboli: Am Ende prüfen, ob etwas übersehen wurde, Gegenposition einnehmen.
Start hier: Dein erstes lokales Modell in 30 Minuten
Lokale KI ist Voraussetzung für vertrauliche Arbeit. Die Grundinstallation lohnt sich, sobald Du über vertrauliche Dokumente arbeiten willst (Drafting, Erfindungsmeldung, interne Strategiepapiere).
Was Du vorab bereit halten solltest
- Einen Rechner mit mindestens 8 GB RAM für die kleinen Gemma-4-Varianten (E2B, E4B) und Qwen 3 4B, 16 GB für Gemma 4 12B oder 32 GB für Gemma 4 26B
- Administratorrechte zur Installation von Software
- Ein Testdokument (ein Anspruch, ein kurzer Text) für die erste Konversation
Dein Weg durch den Kurs (3 Schritte)
- 10 Min Installation: Wähle ein Inference-Framework aus der Liste unten. Für Einsteiger empfehle ich LM Studio oder Msty (grafische Oberfläche). Herunterladen, installieren.
- 10 Min Modell: Ein Sprachmodell herunterladen. Mit 8 GB RAM: Gemma 4 E4B. Mit 16 GB RAM: Gemma 4 12B. Mit 32 GB RAM: Gemma 4 26B. Beim ersten Mal dauert der Download einige Minuten.
- 10 Min erste Konversation: Im LM-Studio/Msty-Chat oder auf der Kommandozeile mit Ollama einen ersten Prompt schicken: „Erkläre, was dieses Patent in einfachen Worten sagt: [Dein Testdokument].“ Ergebnis prüfen: langsam, aber vollständig lokal.
Wenn etwas nicht funktioniert
- Hardware reicht nicht? Schau Dir die Alternativen weiter unten an: Hugging Face Online-Tests für nicht-vertrauliche Versuche, Cloud-Chatbots für nicht-vertrauliche Dokumente.
- Installation schlägt fehl? Die Installations-Videos unten zeigen Ollama und LM Studio Schritt für Schritt.
- Wofür brauche ich das jetzt in der Patentpraxis? Der Patent-Drafting-Kurs baut direkt auf.
- Agent statt Chat? Der Agent-Framework-Kurs erklärt, wann OpenCode + Ollama eine Stufe über dem Chat liegt.
Wozu ein Inference-Framework?
Sprachmodelle wie „Llama“ oder „Gemma“ sind neuronale Netzwerke, die in speziellen Dateiformaten gespeichert sind. Sie lassen sich nicht wie andere Software direkt ausführen. Ein Inference-Framework wie Ollama, Msty oder LM Studio übernimmt die nötige Arbeit:
- Modell-Loading: Lädt die Gewichtsdateien des Sprachmodells in den Arbeitsspeicher.
- Hardware-Optimierung: Passt die Berechnungen an die verfügbare Hardware an (CPU, GPU, spezialisierte KI-Chips) und nutzt Optimierungen wie Quantisierung zur Reduzierung des Speicherverbrauchs.
- API-Interface: Stellt eine Schnittstelle bereit, oft kompatibel mit OpenAI-Standards.
- Speicherverwaltung: Lagert bei Bedarf Teile des Modells zwischen Arbeitsspeicher und Festplatte aus.
Inference-Framework installieren
Für Einsteiger empfehle ich Msty oder LM Studio, für fortgeschrittene Nutzer Ollama.
Ollama
KostenlosLeichtgewichtig, perfekt für die Automatisierung oder zur Verwendung mit eigenen Apps. Empfohlen für fortgeschrittene Nutzer.
HerunterladenLM Studio
KostenlosUmfangreich, mit benutzerfreundlicher Oberfläche und ChatGPT-ähnlichem Chat-Interface. Empfohlen für Einsteiger.
HerunterladenMsty Studio
Kern kostenlosSehr benutzerfreundliche Oberfläche, Zugriff auf die Ollama-Modell-Bibliothek, RAG-Funktion („Ask your data“). Der kostenlose Tarif deckt die Desktop-Kernfunktionen für die Einzelarbeit ab; die erweiterte Ausstattung (Aurum) kostet 149 USD pro Nutzer und Jahr oder 349 USD einmalig (Stand: September 2026).
HerunterladenSprachmodell herunterladen
Das Framework enthält selbst kein Sprachmodell. Das Sprachmodell muss separat heruntergeladen werden. Die Auswahl hängt davon ab, was Deine Hardware leistet und wofür Du es einsetzen willst.
Gemma 4 (E2B)
Kleinste Variante der Gemma-4-Familie, 2,3 Mrd. effektive Parameter, 128K Kontextfenster. Läuft auf fast jedem Laptop ab 8 GB RAM. Für erste Versuche und einfache Aufgaben.
Gemma 4 (E4B)
empfohlen für LaptopNachfolger von Gemma 3n und die Empfehlung für den Laptop. 4,5 Mrd. effektive Parameter, 128K Kontextfenster. 8 GB RAM genügen quantisiert, mit 16 GB arbeitet es sich komfortabel.
Gemma 4 (12B)
Dichtes Mittelklasse-Modell mit 256K Kontextfenster. Bescheid und Stand der Technik passen zusammen in einen Prompt. Benötigt 16 GB RAM oder 12 GB VRAM.
Gemma 4 (26B A4B)
empfohlen für WorkstationMixture-of-Experts-Modell: 26 Mrd. Parameter insgesamt, davon rund 4 Mrd. je Token aktiv. Dadurch läuft es deutlich schneller als ein dichtes Modell dieser Größe. Das Kontextfenster beträgt 256K. Für lokales Patent Drafting geeignet. Benötigt 32 GB RAM oder 24 GB VRAM (z. B. RTX 4090). Wer mehr Speicher hat, kann stattdessen das dichte 31-B-Modell laden.
Qwen 3 (4B)
Kompakt, Apache-2.0-Lizenz, läuft auf fast jedem Laptop. Nützlich als Zweitmeinung aus einer anderen Modellfamilie. Von Qwen gibt es bei Ollama auch die Generationen 3.6 und 3.8; deren Standard-Tags setzen mit 18 GB und mehr allerdings eine Workstation voraus.
Installations-Videos
Zwei kurze Anleitungen für die Einrichtung:
Installation: Ollama
Installation: LM Studio
Alternativen ohne lokale Installation
- Hugging Face: Sammelstelle für offene Modelle und Datensätze, einschließlich der hier genannten. Viele lassen sich direkt online testen. Gut, um vor dem Hardwarekauf zu prüfen, ob sich eine lokale Installation lohnt. Lege für die Nutzung im Seminar bitte vorab ein kostenloses Konto an: huggingface.co.
- Cloud-Chatbots: Für nicht-vertrauliche Daten kannst Du auchChatGPT, Microsofts Copilot (nutzt unter anderem OpenAI-Modelle) oderClaude nutzen.
Weiterführende Ressourcen
Prompt-Library
Eigene Prompts anlegen, verwalten und individualisieren.
Patent-Drafting-Prozess
Prompts und Notizen, zugeordnet zu den einzelnen Prozessschritten.
Cheat Sheet: GenAI-Software
Kuratiertes Cheat Sheet zur GenAI-Software für die Patentarbeit.
Beispiel-Erfindungsmeldung (Coffee Mug)
PDF einer beispielhaften Erfindungsmeldung. Übungsmaterial.
Beispiel-Erfindungsmeldung (Pokerchip)
Anspruchsvollere Erfindungsmeldung mit zwei Stand-der-Technik-Dokumenten (D1, D2), mehreren Ausführungsbeispielen und Bezugszeichen — geeignet, um lokale Modelle an einem realistischen Drafting-Fall zu testen.
Lokale Bilderzeugung mit ComfyUI
ComfyUI ist eine knotenbasierte Oberfläche für Bildgenerierungsmodelle und läuft vollständig auf dem eigenen Rechner. Für Bilder gilt damit dieselbe Vertraulichkeitslogik wie für lokale Sprachmodelle. Der Kern ist quelloffen unter GPL-3.0, für Windows und macOS gibt es einen Desktop-Installer. Im Kanzleialltag eignet sich das für Illustrationen in Vorträgen und Schulungsunterlagen. Hervorzuheben für die Patentarbeit ist die Bild-zu-Bild-Bearbeitung, etwa die Überführung eines Produktfotos oder CAD-Screenshots in eine Strichzeichnung. Die formalen Anforderungen an Patentzeichnungen bleiben trotzdem Handarbeit. Eine konkrete Workflow-Empfehlung dazu steht im GenAI Tool Finder.
- Lizenzen prüfen: Die Bildmodelle werden getrennt heruntergeladen und stehen unter eigenen Lizenzen, die von Apache 2.0 bis zu rein nicht-gewerblichen Forschungslizenzen reichen. Vor dem Einsatz im Mandat die Lizenz des konkreten Modells lesen.
- Custom Nodes sind ausführbarer Code: Erweiterungen und fremde Workflow-Dateien laden Python nach, das mit denselben Rechten läuft wie ComfyUI selbst. Es empfiehlt sich die Nutzung in einer Sandbox, wie einem separaten Benutzerkonto ohne Zugriff auf kritische Daten. Erweiterungen nur aus bekannter Quelle installieren und fremde Workflows vorher ansehen.
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